Der britische Hacker Gary McKinnon verliert seinen Kampf gegen die Auslieferung
Unbedarft oder schlau – bei Gary McKinnon ist das schwer zu sagen.
Pavla Tolonen wiegt alle Elemente ab.
Die wichtige Aufgabe, seine Passwörter regelmäßig zu ändern, mag recht lästig erscheinen, doch könnte diese heikle Pflicht das Wichtigste sein, das Sie in Bezug auf Ihre Online-Sicherheit tun können – vor allem wenn Sie die US-Regierung sind.
Nachdem er 2002 in Großbritannien verhaftet und in den USA wegen acht Computerverbrechen angeklagt wurde und mehrere Berufungsverfahren an britischen und europäischen Gerichten verloren hatte, ist es durchaus möglich, dass der aus Glasgow stammende Londoner Gary McKinnon jetzt einer 70-jährigen Gefängnisstrafe aufgrund seines Hackens in den Geheimdienst der US-Regierung entgegensieht.
Der am Asperger-Syndrom leidende 43-jährige Mann gab an, dass er sich Wahrheit über die Unbekannten Flugobjekte (UFOs) verschaffen wollte, und der Versuchung nicht widerstehen konnte, in die Dateien der US-Regierung einzubrechen, nachdem er ganz offensichtliche Lücken in ihrem Sicherheitssystem entdeckt hatte. Viele Beamte, sagte er, hätten ganz einfach die Notwendigkeit ignoriert, ihre Default Passwords zu ändern – was ein klassischer Neulingsfehler ist.
McKinnon erklärte 2005 der BBC gegenüber: „Ich hatte herausgefunden, dass das US-Militär Windows verwendet, und da nahm ich an, dass das Hacken ein Leichtes sein würde, wenn sie sich nicht entsprechend abgesichert hatten.“ Jüngst sagte er dann, dass er einen „moralischen Kreuzzug” führe und hinterließ Botschaften, in denen er das Sicherheitssystem der USA beschimpft. Ihm war ganz offensichtlich nicht daran gelegen, sich zu tarnen, da er seine eigene E-Mail-Adresse verwendet hatte.
Die US-Regierung gab an, aufgrund von McKinnons Hacken zwischen 2001 und 2002 einen Schaden in Höhe von $800.000 (£487.000) erlitten zu haben – einen Wert, den McKinnon bestreitet. Aufgrund der zeitlichen Nähe des Verstoßes zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York reagieren die amerikanischen Behörden ganz besonders empfindlich. Auf McKinnons Asperger-Syndrom, eine seltene Form des Autismus, bei der sich obsessives Verhalten mit einer Naivität in Bezug auf logisches, also folgerndes Denken verbindet, wurde in der Presse weitgehend hingewiesen. Promis wie Trudy Styler und Sting haben für seine Freilassung plädiert, da er ihres Erachtens eine Gefängnisstrafe nicht wie ein “normaler” Mensch verkraften könne.
Obwohl McKinnon seine letzte Berufung gegen die Auslieferung verloren hat, setzen sich Bürgerrechtler beim britischen Innenminister Alan Johnson dafür ein, dass er seinen Einfluss den amerikanischen Beamten gegenüber bei der Entscheidung geltend machen sollte. Johnson hat diese Möglichkeit abgelehnt, da dies gegen die Auslieferungsbestimmungen zwischen den USA und Großbritannien verstoße. Wahrscheinlich hat er damit zwar Recht, vorausgesetzt er kann gewährleisten, dass McKinnon nicht als Terrorist verurteilt wird.
Eine Website, auf der verlangt wird, dass er in Großbritannien und nicht in den USA , wo er nach Meinung seiner Familie und Freunde als Terrorist möglicherweise zu 70 Jahren Gefängnis verurteilt würde, vor Gericht gebracht werden sollte, ist für McKinnon unter eingerichtet worden. Der britische Innenminister erklärte dem Daily Telegraph gegenüber, dass McKinnon seine Gefängnisstrafe natürlich nicht in einem „Supermax” Gefängnis absitzen würde.
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Bild: www.freegary.org.uk
